Parkinsongruppe
Moers
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Geheime Bekenntnisse oder Einblicke in die Arbeit der Betroffenengruppe

Es ist der letzte Freitag im April. Die Mitglieder Betroffenengruppe trudeln nach im Gruppenraum ein, suchen ihren Platz im Stuhlkreis. Leise und vertraute Unterhaltungen mit dem Sitznachbarn – irgendwie tut es gut hier zu sein. Die Diagnose, die unser Leben so unerwartet und brutal veränderte ist die Eintrittskarte in diesen Kreis. Eine kurze Namensrunde holt die neu Hinzugekommenen hinein in die Runde.

In der Befindlichkeitsrunde kommt jeder zu Wort, berichtet von seinen Erlebnissen, Veränderungen, Erfahrungen und Neuigkeiten. Die anderen hören zu, fragen nach, ergänzen oder bestätigen. R. ist dem Geheimnis des linksdrehenden bulgarischen Jogurts auf die Spur gekommen. Seine Frau stellt ihn selbst her. H. dagegen hat den besagten Jogurt sogar bei Kaufland entdeckt.

Nicht immer gibt es Erfreuliches zu berichten. Die Schmerzen in den Beinen sind stärker geworden, die Morgensteifheit dauert immer länger, die Finger verweigern feinmotorische Aufträge, plötzliches freezing führt zu Stürzen und Hilflosigkeit.

R. hat eine Strategie gegen Verzweiflung und Frust entwickelt. Sie legt die verlorene Fähigkeit bewusst ad acta – fordert von sich keine Leistung, die sie nicht mehr schafft. Die geliebte Gartenarbeit überlässt sie ihrem Mann, bei Wanderungen nimmt sie die Abkürzung, das Fahrrad hat sie verschenkt.

Ein anderer Aspekt tritt in den Vordergrund. Dankbarkeit. Dankbar sein können für ganz viele Fähigkeiten, die geblieben sind, aber vor allem Dankbarkeit für die Fürsorge und sorgende Liebe der Ehepartner und -partnerinnen. Plötzlich gibt es leuchtende Augen, die Stimme wird lebendiger. Ich bin nicht allein mit meinen Einschränkungen- es gibt jemanden, der mich liebt und für mich sorgt.

Nach der Kekspause geht es weiter mit spotähnlichen Einblicken in unsere Biografien. Auf Papierstreifen stehen kurze Fragen zu unserer Kindheit, zur Familienstruktur, zu Einschnitten und Enttäuschungen. Wieder rücken wir einander näher, hören kleine Episoden und Geschichten aus dem Leben der anderen. Keine spektakulären Ereignisse, keine Sensationen- einfach Geschichten, die unser Leben schrieb.

H. Schiemann